Der Präsident des DFV stellt sich vor

Hartmut Ziebs im Interview

Der Präsident des DFV stellt sich vor
Der neue DFV Präsident im Lauffeuer-online Interview

Mehr als 112 Tage ist Hartmut Ziebs als neuer Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes im Amt. Mit einer kurzen Videoansprache stellte er sich der Feuerwehrwelt pünktlich zum 1. Januar vor. Bei wichtigen Reden ist immer ein Mitglied der Jugendfeuerwehr an seiner Seite. Damit möchte er symbolisch zeigen, dass die Jugendfeuerwehr zur Feuerwehr gehört: "Ich lasse da keinen Bruch zu" verrät er.

Doch wer ist diese Person? Was denkt er? Lauffeuer-online hat für Dich mit dem 56 Jährigen über Jugendfeuerwehr, Schule und seine Person gesprochen:

 

  • Die Person Hartmut Ziebs Privatmann und Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes

LFO: Hallo Hartmut, danke dass Du Dir für uns zeitgenommen hast. Was ist dein wichtiges Ziel in Deiner neuen Funktion?

Ziebs: Dass die Feuerwehr die nötige Wahrnehmung der Politik, die ihr auch gebührt, einnimmt. Hans-Peter Kröger hat dort sehr gute Arbeit geleistet, die wir unbedingt fortsetzen müssen.

Als zweites möchte ich, dass sich die Feuerwehren in allen 16 Bundesländern mehr vertrauen. Und wir müssen Feuerwehr offener und innovativer gestalten damit sie zukunftsfähig bleibt.

LFO: Innovativer ist das passende Stichwort. Du bist der erste Präsident, der ein Facebookprofil hat. Wieso das?

Ziebs: Ich möchte die Feuerwehrfrauen und -männer erreichen. Dazu zähle ich auch die Jugend- und Kinderfeuerwehr. Über Facebook kann ich einfach und schnell berichten, was ich so erlebe oder wen ich treffen darf in meiner Funktion als Präsident.

LFO: Eine Frage in Bezug auf die neuen Medien: Warum hast Du denn noch keinen Wikipedia Eintrag?

Ziebs: Stimmt, da hat sich noch nie jemand drum gekümmert. Aber das holen wir dieses Jahr nach. (lacht laut)

LFO: Du hast ja unglaublich viele Termine und bist ständig unterwegs. Wie kommst Du da mal zur Ruhe?

Ziebs: Fast nie. Wenn ich wirklich Ruhe möchte und an einer Kirche vorbei komme, gehe ich da für 10 Minuten rein. Es muss kein Gottesdienst oder so etwas sein. Aber da kann ich mal kurz vollkommen abschalten.

 

  • Was hat er als Feuerwehrmann erlebt?

LFO: Kommen wir mal zu Deinem Feuerwehrleben? Was war Dein schönstes Erlebnis als Feuerwehrmann?

Ziebs: Die Rettung eines LKW-Fahrers. Der LKW war völlig zerstört aber der Mann hatte gar nichts. Als er auf der Trage lag, da der Rettungsdienst ihn natürlich vorsorglich untersuchen wollte, haben wir uns angelächelt. Das hat mich sehr glücklich gemacht ihn so zu sehen.

LFO: Leider liegen gerade bei der Feuerwehr Freud und Leid nahe beieinander. Hast Du auch ein negatives Erlebnis, das Dich noch heute beschäftigt?

Ziebs: Da gibt es eine Sache. Ich konnte bis heute nicht den Einsatzbericht fertig schreiben. Der Einsatz ist schon fünf oder sechs Jahre her. Es gab dort leider vier Tote. Eine Frau war hochschwanger. Trotz der eingeleiteten Entbindung konnten wir auch das Kind nicht retten. Also waren es sogar fünf Tote. Ich rede mit Feuerwehrseelsorgern darüber. Aber in diesem konkreten Fall habe ich etwas getan, wovor mich viele gewarnt haben: Ich habe mit der Mutter der Frau gesprochen. Da waren zwei Seelsorger dabei und ich bin heute noch froh es getan zu haben. Die Mutter war erleichtert, da sie wissen wollte wie der Einsatz verlief und auch ich war erleichtert ihr dies zu erklären.

LFO: Was macht für Dich die Feuerwehrwelt aus?

Ziebs: Das du weltweit Freunde hast. Denn wenn du einen Feuerwehrmann triffst hast du immer ein Gesprächsthema. Daher auch der CTIF Slogan: One World one Family. Das stimmt wirklich.

 

  • Wie denkt er über die Jugendfeuerwehr?

LFO: Warum sollen junge Menschen zur Jugendfeuerwehr kommen?

Ziebs: Weil wir dort Werte vermitteln, die in unserer Gesellschaft enorm wichtig sind und Engagement für andere Menschen. Außerdem führen wir sie an etwas ganz Wichtiges heran: An die Feuerwehr. Auch wenn sie uns irgendwann verlassen, nehmen sie etwas davon mit.

LFO: Bildung und Schulstress ist in aller Munde. Du hast über den zweiten Bildungsweg Dein Abitur gemacht. Deine Tochter macht gerade ihr Abi. Ist das Abitur heute das Maß der Dinge?

Ziebs: Ganz klar nein. Wir haben andere Schulabschlüsse, gerade den Hauptschulabschluss entwertet. Speziell in Handwerksberufen ist ein guter Haupt- oder Realschulabschluss ausreichend. Nun gilt es wieder diese Abschlüsse gesellschaftlich anzuerkennen und aufzuwerten. Das Abitur ist sicherlich nicht das Maß der Dinge, sondern nur ein Baustein.

LFO: Jugendfeuerwehr und Ganztagsschulen? Chance oder Risiko?

Ziebs: Grundsätzlich halte ich es für eine Gefahr. Wir verlagern den Erziehungsauftrag in die Schule. Das kann diese aber nicht leisten. Dadurch wird auch die Jugendarbeit leiden, da die Kinder nur noch in der Schule sind und erst abends nach Hause kommen. Es fehlen Freiräume zur Entfaltung. 

Die große Gefahr ist, wenn Kinder und Jugendliche sich nicht entfalten, dann laufen sie wohlmöglich schnell einfachen Parolen hinterher. Egal ob diese nun links- oder rechtsextrem sind. Um eine offene Ganztagsschule als Chance zu sehen, müssen wir ein Konzept entwickeln, um uns dort aktiv als Jugendfeuerwehr zu etablieren, zum Beispiel als Schulfach.

Die Frage ist dann aber, wie setzen wir das um? Geht das ehrenamtlich überhaupt? Ich bin mir nicht sicher ob wir diesen Spagat schaffen, auch wenn ich mir dies wünsche.

LFO: Brauchen Jugendfeuerwehren mehr hauptamtliche Strukturen, wie es viele andere Jugendorganisationen haben?

Ziebs: Hauptamtliche haben oft einen sehr einseitigen Blick. Daher wird es schnell eine Einbahnstraße. Die Vielfalt des Ehrenamtes, gerade bei der Jugendfeuerwehr sorgt für die Vielfalt vor Ort. Auch wenn es sicherlich Ausbilder- und Betreuermangel gibt. Aber wir selbst haben die Anforderungen für dieses Ehrenamt doch viel zu hoch gesetzt und sollten es wieder auf ein vernünftiges Maß zurückschrauben.

LFO: Warum hast du regelmäßig bei großen Reden Jugendfeuerwehrmitglieder mit dabei?

Ziebs: Ich möchte als Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes zeigen, dass die Jugendfeuerwehr ein Teil von uns ist. Ich lasse keinen Bruch zwischen der JF und den Großen zu. Wir gehören zusammen. Diese Idee kam mir bei einer Feuerwehr Wallfahrt in Rheinland-Pfalz. Ich sollte eine Rede halten. Vor mir redete der Bischoff von Speyr und hatte mir die ersten 50 Prozent meiner Rede vorweggegriffen. Danach kam der Innenminister und er hat mir die restlichen 50 Prozent meiner Rede genommen. Da musste ich spontan sein und habe einen Jugendfeuerwehrmann gesehen und ihn nach vorne gebeten. Wir beiden haben uns dann super unterhalten. Dort versprach ich dann, immer wenn ich die Möglichkeit habe, diesen Zusammenhalt auch zu zeigen.

 LFO: Wie denkst du über Jugendforen und kennst Du deren Arbeit?

Ziebs: Finde ich gut, wichtig und richtig. Wenn sie nicht funktionieren liegt dies leider oft an der Unkenntnis der Erwachsenen. Wir haben viele Jugendforen auf Kreisebene aber selten auf Ebene der Kommunen, weil die Erwachsenen die Jugendlichen nicht ranlassen. Ich würde mir wünschen, dass sich dies ändert und es besser gelebt wird.

Das Bundesjugendforum wird zum Beispiel auch nicht richtig wahrgenommen. Der Einfluss der Erwachsenen ist zu groß – etwas weniger davon und die Jugendarbeit würde verbessert und Demokratie gelebt. Kinder und Jugendlichen machen sich genauso wie Erwachsene Gedanken zu wichtigen Dingen. Aber sie entscheiden schneller, weil sie etwas besitzen, was Erwachsenen zu schnell verlernen: Gesunder Menschenverstand.

LFO: Was möchtest Du noch gerne sagen?

Ziebs: Dass es mir einen riesigen Spaß macht Feuerwehrmann zu sein und ich unheimlich gerne Feuerwehrmann bin. Es lohnt sich einfach bei der Feuerwehr und Jugendfeuerwehr seinen Dienst zu versehen.

nb

 

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