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Der digitale Einsatzleiter der Zukunft

Forschungsprogramm: Arbeit der Rettungskräfte soll deutlich erleichtert werden

Der digitale Einsatzleiter der Zukunft
EMEREC

Auf einer viel befahrenen Bundesstraße verunglückt unmittelbar vor der nächstgelegenen Ortschaft ein mit Säure beladener Tanklastzug. Die zuständige Feuerwehreinsatzzentrale löst nach dem eingegangenen Notruf umgehend Großalarm für die Rettungskräfte aus. Nur Minuten später treffen dann auch schon die ersten Feuerwehren an der Unfallstelle ein und verschaffen sich einen ersten Überblick.

Doch statt der üblichen Hektik mit unzähligen Funksprüchen und dem Einweisen der pausenlos ankommenden Einsatzkräfte steht der zuständige Kommandant in aller Ruhe neben seinem Einsatzleitwagen und hält einen kleinen, unscheinbaren Computer in der Hand. Darauf zu sehen sind die zusätzlich anrückenden Fahrzeuge mit ihrer jeweiligen Position und eine Wetterkarte mit der aktuellen Windrichtung. Nun öffnet der Einsatzleiter noch ein neues Menü, tippt die auf dem verunfallten Anhänger angebrachte Gefahrstoffnummer ein und hat innerhalb weniger Sekunden sämtliche gewünschte Angaben auf dem Display: die Säure darf auf keinen Fall mit Wasser in Berührung gebracht werden, die Säure löst massive Atembeschwerden aus und ist stark gesundheitsgefährdend. In der Zwischenzeit sind auch die Gruppenführer der anderen Feuerwehren eingetroffen und haben von der Einsatzleitung schon auf der Anfahrt alle relevanten Informationen zum Einsatz auf ihren Mini-Computer überspielt bekommen.

Geht es nach dem Sicherheitsforschungsprogramm KIRAS unseres Nachbarlandes Österreich, könnte dieses sehr futuristisch anmutende Szenario für die Einsatzkräfte schon bald Realität werden. Das Projekt mit dem Namen EMEREC wird gemeinsam von einer Hochschule, einem Telekommunikationsanbieter, dem Österreichischen Bundesfeuerwehrverband und einem Hersteller von Feuerwehrtechnik verwirklicht.

Die mobilen Computer sollen jederzeit auf eine sich automatisch aktualisierende Datenbank zugreifen können und an den Zentralrechner in der Leitstelle angebunden werden. So hat der jeweilige Einsatzleiter alle wichtigen Dokumente und Pläne bequem in digitaler Form zur Verfügung und muss sich nicht erst durch dicke, unhandliche Ordner im Fahrzeug kämpfen, um beispielsweise bei einem Großbrand alle nächstgelegenen Wasserentnahmestellen auflisten und einsatztaktisch bewerten zu können. Die Entwickler wollen als zusätzlichen Service für Rettungskräfte auch Verkehrsnachrichten mit den neuesten Stauwarnungen in das System einbauen.

Feuerwehren, die in ihrem Zuständigkeitsbereich besondere Objekte wie Krankenhäuser oder Industrieanlagen haben, können über die allgemeinen Informationen hinausgehend spezielle Daten und Hinweise hinterlegen, um im Ernstfall flexibel und punktgenau vorzugehen. Die Verantwortlichen sollen zudem die Möglichkeit bekommen, die Zugriffsrechte für das System individuell festlegen zu können. Was sollte grundsätzlich nur der Einsatzleiter sehen und welches Material muss auch den einzelnen Gruppenführern zugänglich sein? Regelmäßige Sicherungskopien sollen schließlich dafür sorgen, dass im Falle einer plötzlichen Unterbrechung der Internetverbindung keine Daten verloren gehen.

Der Einsatzwert der Geräte wird laut Hersteller durch eine übersichtliche Benutzeroberfläche zusätzlich gesteigert. Auch speichern die Computer sämtliche einsatzbezogenen Daten, wie zum Beispiel die Anzahl der eingesetzten Kräfte und Fahrzeuge, Alarmzeiten und den Einsatzverlauf. Dies erleichtert im Anschluss das Erstellen von Einsatzberichten und Statistiken. Bevor jedoch einzelne Kreis- oder Stadtfeuerwehrverbände das neue System in Zukunft verwenden können, müssen erst die Daten der einzelnen Feuerwehren mitsamt ihren Einsatzgebieten übernommen und genau aufeinander abgestimmt werden.

Das EMEREC-Projekt hat bereits mehrere Testläufe bei realistischen Übungen mit einer Freiwilligen Feuerwehr in Österreich absolviert und soll auf der diesjährigen Feuerwehrmesse Interschutz in Leipzig einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.

Fotos: Rosenbauer

 

gr

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