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Echt heiß: Eine Übung im Flashover-Container

Eine spannende und absolut realistische Atemschutzübung in einem Flashover-Container.

Echt heiß: Eine Übung im Flashover-Container

Irgendwo in der Finsternis knistert ein Feuer, ringsherum sind seltsam mechanische Atemgeräusche zu hören und langsam aber sicher spürt man ein immer stärker werdendes Hitzegefühl am ganzen Oberkörper. Was zunächst klingt, wie eine unheimliche Szene aus einem "Star Wars"-Film, ist in Wirklichkeit eine spannende und absolut realistische Atemschutzübung in einem Flashover-Container.

Lauffeuer-Online hat so ein Training genau beobachtet und präsentiert euch hier die interessantesten Fakten und Impressionen.

 

Das "Warm up": Theoretischer Unterricht für alle Teilnehmer 

Wer gedacht hat, das Flashover-Training bestehe nur aus praktischer Action, der wird vorerst noch enttäuscht. Denn gleich nach der Ankunft am Übungsgelände und der Vorstellung der Ausbilder heißt es erst einmal stillsitzen wie in der Schule.

Nun gilt es, sein Wissen über die Technik und richtige Verwendung eines Atemschutzgeräts zu überprüfen und wenn nötig, Fragen an die erfahrenen Ausbilder zu stellen.

Neben den grundsätzlichen Informationen und Sicherheitshinweisen erhalten die Teilnehmer wichtige Hinweise für die Durchführung der Übung. Auch muss jeder eine gültige ärztliche Bestätigung vorzeigen, welche die Tauglichkeit für den Atemschutz bescheinigt. Einer der Ausbilder, der extra von einer Berufsfeuerwehr angereist ist, erklärt die Gefahren eines Flashovers, berichtet über dessen Entstehung und zeigt ein Video von Unfällen bei Feuerwehreinsätzen, die von einem Flashover verursacht worden sind.

 

Was ist eigentlich ein "Flashover"?

  • Ein "Flashover" (Rauchgasdurchzündung) ist der schlagartige Übergang eines kleinen Entstehungsbrandes zu einem voll entwickelten großen Brand.
  • Dabei kommt es zu einer Durchzündung von Pyrolyseprodukten (dies sind z. B. die Möbel und andere brennbare Gegenstände in einer Wohnung).
  • Dafür benötigt das Feuer genügend Sauerstoff und der heiße Rauch muss die Pyrolyse (Ausgasung) unterstützen. Es entstehen sehr hohe Temperaturen.

 

Die "heiße Phase" beginnt: Letzte Vorbereitungen vor dem praktischen Teil

Während die Übungsteilnehmer zusammen mit einem der beiden Ausbilder langsam ihre Atemschutzausrüstung anlegen, ist der Zweite noch dabei, die Innenwände des Containers mit großen Holzplatten zu verkleiden. Später wird auch eine Wärmebildkamera zum Einsatz kommen und der richtige Umgang mit dem Gerät wird gezeigt.

 

Nachdem jeder sein Atemschutzgerät angelegt hat, betreten der mit einem hellroten Schutzanzug bekleidete Ausbilder und die übrigen acht Teilnehmer nacheinander den Übungscontainer.

 

Inzwischen wurden an der Stirnseite schon einige Holzstücke entzündet und ein erstes kleines Feuer entsteht. Noch kann sich niemand so richtig vorstellen, dass nur wenige Minuten später richtig große Flammen in dem Container wüten werden.

Durch den langsam größer werdenden Brand im Innenraum des Containers entsteht dichter schwarzer Rauch. Der Ausbilder führt vor, wie sich die dunkle "Rauchgrenze" Stück für Stück von der Decke in Richtung Boden verschiebt. Wer nun seine Hand in den Rauch hochstreckt, spürt schlagartig die Hitze in der verrauchten Zone.

 

Kein Weg zurück: Die Türe wird von außen verschlossen

Dann gibt der Ausbilder im Container seinem Kollegen außerhalb ein kurzes Zeichen und dieser verschließt die Türe. Plötzlich herrscht völlige Dunkelheit und die Übungsteilnehmer warten gespannt und mit einem leicht mulmigen Gefühl, was nun passieren wird.

Zunächst verteilt sich der Rauch im ganzen Raum und durch die Masken lässt sich nichts mehr, nicht einmal die direkt neben und vor einem am Boden kauernden Feuerwehrkollegen, erkennen. Zum ersten Mal kann man spüren, wie die Temperatur deutlich ansteigt.

 

Nun beginnt der spannendste Teil des Trainings und nach den ersten Rauchdurchzündungen werden Flammenzungen über die Köpfe der Feuerwehrmänner hinwegziehen. Dazu wird nun immer wieder die Türe geöffnet, damit das Feuer Sauerstoff von außen erhält. Die Wärmebildkamera wird derweil Temperaturen von mehr als 400 Grad Celsius anzeigen.

 

"Feuer aus": Die richtige Löschtechnik mit dem Hohlstrahlrohr

  • Die heißen Brandgase im Deckenbereich müssen gekühlt werden.
  • Dies erfolgt durch kurze, schnelle Sprühstöße nach oben sobald die ersten züngelnden Flammen im Rauch an der Decke erkennbar sind.
  • Es sollte dabei möglichst wenig Wasser verwendet werden (Gefahr von Verbrennungen!).

 

Endlich geschafft: Von roten Köpfen und großem Durst

Nach etwa 25 Minuten sind zahlreiche Flashover-Bekämpfungen erfolgreich absolviert und auch das immer wieder von neuem aufgeflammte Feuer im Container ist bis auf den letzten Funken gelöscht. Langsam löst sich die Anspannung der Atemschutzgeräteträger, sie verlassen den Container und kehren ans gewohnte Tageslicht zurück. Unter den Masken lässt sich schon die große körperliche Anstrengung erahnen.

Jeder einzelne Teilnehmer hat durch die große Hitze geschwitzt und viel Flüssigkeit verloren. Deshalb ist es sehr wichtig, langsam die dampfende Schutzkleidung abzulegen und eine mineralhaltige Flüssigkeit zu trinken. So mancher der erfolgreichen Trainingsteilnehmer hat einen hochroten Kopf, als er die Atemschutzmaske abnimmt.

 

In einem Punkt sind sich aber alle Anwesenden einig: sie haben gerade eine großartige Erfahrung machen können und sind nun für den Ernstfall im Einsatz optimal vorbereitet. Zudem hatten sie großes Glück, da pro Jahr nur eine sehr begrenzte Anzahl von ausgebildeten Atemschutzgeräteträgern die Möglichkeit hat, in einem Flashover-Container zu üben.

 

Hier findet ihr als besonderes Highlight zum Schluss noch ein eindrucksvolles Video, das in einem Flashover-Container aufgenommen wurde.

 

gr

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