Einsatz in Nepal

Einsatz in Nepal

Nach dem schweren Erdbeben am 25. April 2015 in Nepal haben sich zahlreiche internationale Hilfskräfte auf den Weg in das Katastrophengebiet gemacht, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. Unter ihnen war mit Alexander Maier (auf den Fotos in der gelben Schutzkleidung) auch ein Retter aus dem bayerischen Landkreis Rosenheim. Der 28-jährige Maschinenbauingenieur ist stellvertretender Kommandant seiner örtlichen freiwilligen Feuerwehr und seit mehreren Jahren zusätzlich als ehrenamtliches Mitglied der Hilfsorganisation „@fire – Internationaler Katastrophenschutz Deutschland e.V.“ tätig. Wir haben für Dich mit dem Bergungsspezialisten, der vorgestern erst von seinem einwöchigen Einsatz zusammen mit fünf Teammitgliedern zurückgekehrt ist, über seine Eindrücke gesprochen.

 

Alexander, wann bist Du für den Notfalleinsatz in Nepal alarmiert worden und wie gestaltete sich die Anreise?

Ich war vormittags zunächst noch bei einem Training von „@fire“ in München. Als ich mittags nach Hause kam, erreichten mich bereits der Voralarm sowie eine Verfügbarkeitsabfrage per Alarm-SMS. Da fing für mich das Packen an und als dann der Anruf vom Teamleiter kam, dass ich für das Voraus-Team eingeteilt bin, war für mich klar: Jetzt geht‘s auf nach Nepal. Die Anreise gestaltete sich sehr schwierig, da das Land nur einen internationalen Flughafen besitzt. Aufgrund von Nachbeben und der geringen Kapazität des Flughafens verzögerte sich der Weiterflug von Neu Delhi nach Kathmandu um viele Stunden. Wir alle waren froh, als der Flieger nach gefühlt endlosen Warteschleifen Montagnacht endlich in Kathmandu landete.

 

Ihr wurdet ja auch von Rettungshundeführern begleitet. Welche speziellen Aufgaben hatten Deine Kollegen und Du in Kathmandu?

Unsere primäre Aufgabe als sogenanntes Assessment-Team war es, die Lage vor Ort zu erkunden und die Informationen an die Vereinten Nationen (UN) weiterzuleiten, welche dann die Koordinierung der Hilfsmaßnahmen übernahmen. Die mitgeführten Rettungshunde waren hier ein zusätzliche Option, da wir neben dem Assessment auch sofort eine Ortung von Verschütteten durchführen hätten können. Für den Fall, dass noch zusätzliche Rettungskräfte benötigt worden wären, stand ein komplettes Rettungsteam von „@fire“ mit schwerem Rettungsgerät in Deutschland auf Bereitschaft. Aber bereits auf dem Hinflug wurde uns durch die Behörden mitgeteilt, dass keine weiteren Rettungsteams mehr benötigt werden.

 

Welche technische Ausrüstung stand Deiner Rettungsmannschaft zur Verfügung?

Wir führten neben den Rettungshunden für die biologische Ortung auch noch Gerätschaften für die technische Ortung von Verschütteten mit, wie beispielsweise eine spezielle Suchkamera und ein Geophon. Vor Ort trafen wir auf ein befreundetes englisches Team von S.A.R.A.I.D. und wir beschlossen, uns zusammen zu tun, um ein komplettes Rettungsteam zu bilden. So konnten wir gemeinsam alle Aspekte der Erdbebenrettung abbilden und die Arbeit lief wirklich Hand in Hand.

 

Wie genau funktionierte im Erdbebengebiet die Koordination der gemeinsamen Arbeiten internationaler Hilfsorganisationen?

Alle internationalen Hilfsteams sind angehalten, nach festgelegten Standards der UN zu arbeiten. Vor Ort werden die Rettungsteams aus der gesamten Welt dann von den Vereinten Nationen im OSOCC (On-Site-Operation-Coordination-Center) koordiniert und sie erhalten ihre Aufträge. Im konkreten Fall hat man Kathmandu in Sektoren aufgeteilt, welchen dann wiederum Rettungsteams zugewiesen wurden, um Schadstellen zu erkunden und gegebenenfalls auch Rettungen durchzuführen. Aber wegen der allgemein schwierigen Situation lief die Koordinierung nicht immer reibungslos.

   

 

Wie hast Du es geschafft, Deinen Hilfseinsatz trotz des großen menschlichen Leids und der zum Teil völlig zerstörten Infrastruktur psychisch und körperlich durchzustehen?

Ich selbst hatte mich auf das Schlimmste eingestellt, also dass ganze Straßenzüge eingestürzt sind und vor Ort in Kathmandu ein riesiges Chaos herrscht. Und wir überall Tod und Verwüstung begegnen würden. Daher war ich im Nachhinein doch positiv überrascht, dass sich die Lage nicht ganz so ernst dargestellt hat wie ursprünglich angenommen. So waren in Kathmandu nur einzelne Gebäude komplett eingestürzt und die Menschen waren an unserer Arbeit interessiert und äußerst freundlich. Wobei ich hier natürlich nur für unseren Einsatzsektor in der Hauptstadt sprechen kann. In anderen, schwerer zugänglichen Teilen Nepals war und ist die Lage für die Bevölkerung durchaus katastrophal. Für mich stellte sich die gegenseitige Unterstützung im Team als ganz wichtig dar. Es harmonierte gut und zu keinem Zeitpunkt traten Spannungen innerhalb der Gruppe auf.

 

Hattest Du während Deiner Zeit in Nepal überhaupt die Möglichkeit, den Kontakt in die Heimat aufrechtzuerhalten?

Hier leistete unser Stab in der Heimat hervorragende Arbeit. Meine Lebensgefährtin und meine Familie wurden mindestens zweimal täglich über unsere aktuelle Situation informiert, was wir gerade machten und dass es uns gut geht. Auch bestand immer wieder mal kurz die Möglichkeit, eine SMS nach Hause zu schicken und zu sagen, dass man wohlauf ist und kein Grund zur Sorge besteht.

 

Alexander, wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch.

 

gr 

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