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Dresden erinnert an die Bombennacht 1945

Tausende Menschen bilden Menschenkette - Großeinsatz für Polizei und Rettungskräfte

Dresden erinnert an die Bombennacht 1945

Rund 15.000 Menschen haben am Samstag, den 13. Februar 2010, mit einer langen Menschenkette an die zahlreichen Opfer des alliierten Bombenangriffs auf Dresden vor 65 Jahren und den von Deutschland ausgegangenen Krieg gedacht. Es gelang ihnen dadurch, gemeinsam einen Aufmarsch von mehreren tausend Neonazis in der Innenstadt zu verhindern.

 

Die Gedenkfeiern begannen mit einer Rede von Oberbürgermeisterin Helma Orosz an der Goldenen Pforte des Dresdner Rathauses. Sie rief die Anwesenden zur Geschlossenheit auf: „Wenn wir uns jetzt bei den Händen nehmen, legen wir aus einzelnen, vielleicht schwachen Gliedern eine starke, schützende Kette um unsere Stadt. Den Jung- und Altnazis, die heute wieder versuchen, unseren Tag der Trauer zu missbrauchen, stellen wir uns entgegen."

Anschließend verteilten sich die Demonstranten in zwei Richtungen, um sich etwa eine Stunde später auf dem Altmarkt zu einer Kette zusammenzuschließen. Ab 14:15 Uhr läuteten dazu noch alle Glocken der Kirchen in der Dresdner Innenstadt für zehn Minuten. An der Menschenkette beteiligten sich zahlreiche Prominente, unter ihnen auch der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

Am Vormittag hatten bereits mehrere hundert Menschen im Rahmen einer Kranzniederlegung auf dem Heidefriedhof den mehr als 20.000 Todesopfern der Bombardierung gedacht. Auch hier ging Oberbürgermeisterin Orosz in ihrer Rede auf die geplanten Aktionen rechtsextremer Gruppen ein: „Diese Ewiggestrigen wollen wir hier nicht sehen, nicht an dieser Stätte stiller Trauer, nicht in unserem wieder erstandenen Dresden. Wir wehren uns gegen Revanchismus, gegen Hass- und Gewalt-Propaganda."  

Unterdessen befanden sich Polizei, Rettungsdienst und die Feuerwehr im Großeinsatz. Es kam immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Extremisten, die Barrikaden errichteten, geparkte Fahrzeuge wurden zerstört und Unbeteiligte sowie Polizisten angegriffen. Es entstand des Weiteren nicht unerheblicher Sachschaden durch eingeworfene Schaufensterscheiben.

Der Aufzug rechter Gruppen wurde nach mehrstündiger Verzögerung durch Sitzblockaden von hunderten Gegendemonstranten schließlich abgesagt. Es kam im weiteren Verlauf zu Ausschreitungen mit 27 Verletzten, unter ihnen befanden sich 15 Polizisten. Die mit insgesamt knapp 6.000 Beamten anwesende Polizei reagierte mit dem Einsatz von Wasserwerfern, der Rettungsdienst versorgte zahlreiche Verletzte und die Feuerwehr musste immer wieder brennende Barrikaden löschen. Dabei wurde den Hilfskräften die Anfahrt durch Demonstranten teilweise massiv erschwert.

 

 

gr

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