Junges Leben
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Ein großer Staatsmann. Ein Vorbild.

Richard von Weizsäcker ist mein Idol. Ein Nachruf.

Ein großer Staatsmann. Ein Vorbild.
Das 20jährige Bestehen der DJF wird 1984 am Gründungsort Berlin gefeiert. Bei der Festveranstaltung sprach Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Richard von Weizsäcker ist für viele das Ideal eines Bundespräsidenten. Er war stets volksnah und scheute sich nicht, die Machtbesessenheit von Politikern zu kritisieren. Richard von Weizsäcker. Ein Vorbild.

In der Februar-Ausgabe des Lauffeuer geht es um genau diese Personen: Vorbilder und Idole. Leider ist mein "Idol" Richard von Weizsäcker am 31. Januar 2015 im Alter von 94 Jahren verstorben. Und da ist meine ganz persönliche Geschichte über Richard von Weizsäcker auch ein Nachruf auf diesen großartigen Menschen.

Ein “Idol“ wird oft als Kultfigur oder als jemand, den man schwärmerisch verehrt, beschrieben. Und sie sind meist laut, hip und cool. Mein „Idol“ ist eher sachlich und ruhig – Richard von Weizsäcker. Der sechste Bundespräsident der Bundesrepublik zwischen 1984 und 1994. Ein Mensch, zu dem man aufblicken kann. In seiner Amtszeit erlangte er nicht nur hohe Anerkennung im Ausland, er wirkte integrierend bei der deutschen Wiedervereinigung und trat für ein behutsames Zusammenwachsen von Ost und West ein. Verheerend fand er Kohls falsche Versprechung, die Vereinigung werde die Westdeutschen nichts kosten. "Sich zu vereinen, heißt teilen lernen", sagte er damals. Auch mit Kritik an der deutschen Parteiendemokratie hielt er nicht zurück: das vorrangige Ziel der Parteien sei, die nächste Wahl zu gewinnen und nicht langfristig Probleme dieses Landes zu lösen. Sie nähmen temporäre Stimmungen im Volk in ihr Parteiprogramm auf, um bei der nächsten Bundestagswahl möglichst viele Stimmen zu erhalten. Besonders mit seiner Rede „Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ erlangte er weltweit Beachtung. Und einige Passagen sind auch 30 Jahre später aktueller denn je:

"Die Bitte an die jungen Menschen lautet:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß

gegen andere Menschen,

gegen Russen oder Amerikaner,

gegen Juden oder Türken,

gegen Alternative oder Konservative,

gegen Schwarz oder Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.

Ehren wir die Freiheit. Arbeiten wir für den Frieden."

Weizsäckers Worte, könnten auch heute, in Zeiten von Islamhass, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht treffender formuliert werden. Als Oberhaupt der Bundesrepublik hat er sich stets unabhängig gehalten und er hat vor allem eins, den Menschen aus der Seele gesprochen.

Einige Jahre nach seiner Amtszeit konnte ich Richard von Weizsäcker persönlich treffen. Er war Ende der 90er Jahre mit der Vorstellung seines Buches „Vier Zeiten“ auch im Hochsauerland unterwegs. Ich habe damals für die lokale Zeitung geschrieben, durfte über die Veranstaltung berichten und anschließend noch ein kleines Interview führen. Diesen Menschen persönlich zu treffen, war ein bewegender Moment. Er spricht offen und persönlich, in seiner eigenen Empathie und Nachdenklichkeit. Richard von Weizsäcker ist für mich eine der führenden Persönlichkeiten der deutschen Politik und Zeitgeschichte und damit mein „Idol“. Seit diesem persönlichen Treffen, weiß ich auch warum.

 

Mehr Geschichten über "Idole" und die ganz persönlichen Idole der Lauffeuer-Redaktion liest Du im nächsten Lauffeuer.

Du hast noch kein Lauffeuer? Hier bekommst Du Deine Ausgabe.

 

jf

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