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Einsatz für die Klosterfeuerwehr

Wenn Mönche zu Feuerwehrmännern werden

Einsatz für die Klosterfeuerwehr

Etwa 100 Mönche leben und arbeiten in der Abtei Münsterschwarzach im unterfränkischen Landkreis Kitzingen. Das Kloster beherbergt ein Gymnasium, einen Verlag mit Druckerei und zahlreiche Werkstätten, es herrscht ein geregelter Tagesablauf. Doch manchmal heult die Sirene auf dem Abteigelände und man vernimmt den Alarmton von Funkmeldeempfängern. Dann zählt für den Kommandanten der klostereigenen Feuerwehr, Bruder Alois-Maria Weiß, und einige seiner Mitbrüder jede Minute. Rasch werden die Kutten mit Schutzanzügen getauscht, Feuerwehrhelme aufgesetzt, die Fahrzeuge bestiegen und zum Einsatz ausgerückt.

 

 

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Die Abtei Münsterschwarzach

 

 

 

 

Derzeit sind zehn Mönche in der Feuerwehr des Klosters aktiv. In der Vergangenheit hat man auch versucht, Freiwillige von außerhalb des Klosters aufzunehmen, was aber zu Problemen geführt hat. In den Gebäuden der Abtei befindet sich ein Gymnasium mit fast 1.000 Schülern. Zu den Betrieben und Werkstätten, in denen die Mönchen arbeiten, zählen u.a. eine Schreinerei, ein eigener Landwirtschaftsbetrieb, eine Bäckerei, eine Metzgerei und eine Goldschmiede. Außerdem gibt es einen Verlag mit dazugehöriger Druckerei, dessen Einnahmen für das Kloster verwendet werden. Bruder Alois-Maria Weiß ist Leiter der Malerei, ihm unterstehen vier Gesellen und auch ein Lehrling.

 

 

Unterstützung der Notfall-Seelsorge

 

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Von links: Br. Ewald, Br. Zacharias (Notfall-Seelsorger), Br. Alois-Maria (Kommandant), Br. Antonius

Pro Jahr rückt die Feuerwehr zu 15 bis 20 Einsätzen aus, die Alarmierung erfolgt über die Leitstelle der Berufsfeuerwehr Würzburg. Bei den Einsätzen liegt ein besonderer Schwerpunkt in der Betreuung eines Autobahnabschnitts. Ein Bruder ist zudem Mitglied in einer Notfall-Seelsorge-Gruppe, er wird bei Bedarf extra alarmiert und kann im ganzen Landkreis eingesetzt werden.

 

 

 

Übung macht den Meister

 

Auch eine Klosterfeuerwehr muss natürlich immer fit für den Ernstfall sein. Deshalb findet einmal im Monat eine Übung aller Feuerwehr-Mönche statt, im Winter absolvieren sie zudem Schulungen zusammen mit den umliegenden Ortsfeuerwehren. Wenn ein Leistungsabzeichen ansteht, wird eine Woche lang jeden Abend intensiv geübt und schon am folgenden Wochenende findet dann die Abnahme statt.

 

  

Zur Geschichte der Klosterfeuerwehr

 

Bereits im 17. Jahrhundert werden sog. Feuerspritzen für das Kloster angeschafft. In der Chronik heißt es dazu: „Sie speien das Wasser über die Dächer der neuen Gebäude aus." Im Jahr 1913 wird das Kloster Münsterschwarzach nach seiner Auflösung 1803 wiederbegründet. Ein Blitzeinschlag im Sommer 1925 sorgt schließlich für Überlegungen, den Brandschutz durch eine eigene Freiwillige Feuerwehr sicherzustellen, was dann im Jahr 1928 zur Gründung der bis heute bestehenden Feuerwehr führt. Diese kann sich 1930 zum ersten Mal bei einem Brand auszeichnen, welcher mit Hilfe der motorbetriebenen Spritze unter Kontrolle gebracht wird. Dem technischen Fortschritt verdankt die Feuerwehr der Abtei Münsterschwarzach in den kommenden Jahrzehnten dann neben größeren Fahrzeugen die heute üblichen Geräte für den Atemschutz und zur Technischen Hilfeleistung.

 

 

„Wir sind ruhiger, wenn ihr da seid."

  

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Der Fuhrpark vor dem Gerätehaus

Wenn die Feuerwehrmänner aus dem Kloster mit anderen Feuerwehren im Einsatz sind, verrät nur die Aufschrift auf der Rückseite der Schutzanzüge ihre Herkunft. „Wir rücken genauso aus, sehen genauso aus, machen unsere Arbeit und versuchen zu helfen", sagt Kommandant Weiß. Manchmal wird ihm von den Leitern der Nachbarfeuerwehren gesagt, dass deren Leute in Gegenwart der Mönche ruhiger sein als sonst, die Zusammenarbeit funktioniere aber trotzdem problemlos. Einmal im Jahr findet zudem auch eine gemeinsame Großübung der Klosterfeuerwehr mit den sechs Ortsteilwehren der Gemeinde statt.

 

 

Die Klosteratmosphäre hautnah erleben

 

Wer noch mehr über den Alltag der Mönche erfahren möchte, hat die Möglichkeit, zusammen mit seiner Jugendgruppe (bis zu 30 Personen) in der „Münsterklause" für einige Tage in das Klosterleben einzutauchen. Dort kommt man neben dem aufregenden Gemeinschaftserlebnis mit jungen Mönchen ins Gespräch und kann auch an Gebeten in der Abteikirche teilnehmen. Da es sich bei der modern ausgestatteten Herberge um ein Selbstversorgerhaus mit Küche handelt, sind die Gäste für ihre Verpflegung selbst zuständig.

 

 

Lauffeuer-Online bedankt sich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei Bruder Alois-Maria Weiß für die vielen Informationen über seine Klosterfeuerwehr.

 

 

georg@get-your-addresses-elsewhere.lauffeuer-online.de

gr

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