Junges Leben
Abo

Helfende Hand 2014: Jugendfeuerwehren räumen ab!

Helfende Hand 2014: Jugendfeuerwehren räumen ab!

Zahlreiche Jugendfeuerwehr-Projekte haben sich in diesem Jahr um die "Helfende Hand" beworben. Viele wurden auch in die Endrunde nominiert. Zwei der Gewinner-Projekte stellen wir Euch nun vor. 

Der 1. Preis in der Kategorie „Jugend- und Nachwuchsarbeit“ für die Landesjugendfeuerwehr Bremen - „Ehrensache - Ich mache weiter!“

Wir haben mit dem Landes-Jugendfeuerwehrwart aus Bremen, Christian Patzelt, gesprochen. Mit dem ersten Platz haben die Bremer so gar nicht gerechnet und waren während der Übergabe der goldenen Trophäe etwas sprachlos. Die Freude ist groß in der Projektgruppe und wir haben nachgefragt, was es auf sich hat mit „Ehrensache - Ich mache weiter!“.

Lauffeuer-Online: Christian, erstmal herzlichen Glückwunsch zu dieser tollen Auszeichnung. Hoffentlich hat sich Deine Sprachlosigkeit gelegt.<s> </s>Was war die Motivation, mit „Ehrensache - Ich mache weiter!“ zu starten?

Christian Patzelt: Ja, vielen Dank. Inzwischen geht’s wieder, aber am Abend der Preisverleihung war ich wirklich für einen Moment überwältigt. Damit hätte ich niemals gerechnet.

Die Motivation für dieses Projekt war und ist, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Jugendfeuerwehr-Mitglieder langfristig bei der Feuerwehr bleiben. Wir verlieren zu viele Nachwuchskräfte schon in der JF-Zeit, beim Übertritt und in den ersten Jahren im aktiven Einsatzdienst.

Lauffeuer-Online: Welche konkreten Ziele verfolgt das Projekt?

Patzelt: Wir möchten einerseits die Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren und Kameraden darüber aufklären, wie wichtig es ist, jeden jungen Menschen individuell zu betrachten. Andererseits gilt es, den Jugendlichen zu verdeutlichen, was das Ehrenamt Feuerwehr ausmacht. Es gibt schon deutliche Unterschiede zwischen der Jugendarbeit in der JF sowie den Aufgaben und der Zusammenarbeit in der Einsatzabteilung.

Lauffeuer-Online: Wie startet man in so ein Projekt - welche waren Eure ersten Schritte und wann fiel der Startschuss?

Patzelt: Der Startschuss fiel im Frühjahr 2013. Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet, an der sich Gruppenführer der Wehren, Jugendleiter und 17- bis 19-Jährige beteiligt haben. Neben mir als Landes-Jugendfeuerwehrwart waren auch Marcus Schleef als Vorsitzender des Landesfeuerwehrverband und Matthias Schulz aus dem LFV-Vorstand mit dabei. Zur Beteiligung an dieser Arbeitsgruppe hatten wir im LFV und der JF Bremen offen aufgerufen.

Lauffeuer-Online: Wie muss ich mir die Projektarbeit vorstellen? Wer durfte mitreden und entscheiden, wie das Projekt schließlich aussehen soll?

Patzelt: Wer die erste Idee hatte, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Ich glaube, die ist zwischen Cem Erdogdu und mir bei einer Pizza entstanden. Cem ist Fachbereichsleiter Integration der JF Bremen. Ich hatte es dann dem Landesfeuerwehrverband und dem Landes-Jugendfeuerwehrausschuss kurz vorgestellt – und los ging’s. In der schon erwähnten Arbeitsgruppe haben wir in drei Treffen offen diskutiert. Die Sitzungen wurden jeweils vom Integrationsteam und mir strukturiert, die Ergebnisse gaben den Inhalt des nächsten Treffens vor. So einfach lief das. In der letzten Sitzung legten wir die Inhalte des Leitfadens mit den Unterpunkten fest. Aus der Arbeitsgruppe bildete sich eine „Schlussredaktion“, die den Leitfaden mit mir gemeinsam erstellte.

Lauffeuer-Online: Habt Ihr die „besondere Zutat“ für einen erfolgreichen Übertritts von der Jugendfeuerwehr in den aktiven Feuerwehrdienst gefunden?

Patzelt: Die wichtigste Zutat ist tatsächlich Kommunikation. Wehrführer, Jugendleiter und der Jugendliche müssen frühzeitig miteinander sprechen. Alle Beteiligten sollten wissen, woran sie sind. Wichtig ist, dass die Führungskräfte Verständnis für die Anwärter aufbringen.

Sie müssen realisieren, dass in dem Zeitraum zwischen 15 und 22 Jahren bei einem jungen Menschen tausend Dinge passieren, sich die Lebenswelten ständig ändern. Besonders die Ausbildung, ob Schule, Studium oder Lehre, nimmt sie enorm in Anspruch. Die erste große Liebe, wechselnde Interessen, körperliche Veränderungen, Wohnortwechsel – da geht einfach richtig viel ab. Wer dann Jugendliche unter Druck setzt, verjagt sie irgendwann. Es gilt, ihnen Freiräume zu gewähren.

Lauffeuer-Online: Wie wird das Projekt in den Bremer Feuerwehren und Jugendfeuerwehren aufgenommen?

Patzelt: Durchweg positiv und mit Interesse. Das wichtigste Ergebnis bislang: Das Projekt und seine Inhalte sind im Gespräch.

Lauffeuer-Online: Wo und wie kann man mehr über Euch und das Projekt erfahren?

Patzelt: Auf unserer Internetseite www.jf-bremen.org.

Lauffeuer-Online: Ich kann mir gut vorstellen, durch den Förderpreis „Helfende Hand 2014“ wird das Projekt auch über die Grenzen Bremens hinaus noch bekannter. Was würdest Du denjenigen empfehlen, die es aufgreifen und in ihrer Feuerwehr umsetzen wollen?

Patzelt: Drei Dinge würde ich empfehlen:
1. Alle Seiten mit einbeziehen, also junge Menschen, Führungskräfte und auch die Verwaltung.
2. Immer nur Empfehlungen erarbeiten, kein Regelwerk. Den Feuerwehren also auch Freiräume gewähren. Vielleicht läuft es ja bei ihnen schon sehr gut und nach einem anderen Konzept.
3. Über den Tellerrand schauen. Die meisten Projekte sind nicht neu. Wir haben uns zum Beispiel von der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg und dem Projekt „17 ½“ inspirieren lassen. Wir haben Impulse von der Deutschen Jugendfeuerwehr bekommen: Uwe Danker als Bildungsreferent, von Susanne Beyer aus dem Projekt Demokratieberater und dem Forum JugendfeuerWEhRT, vom Fachausschussvorsitzenden Integration Willi Donath und aus dem Bundesjugendforum. Interessant war auch eine Präsentation von Helena Urdelowicz, Bildungsreferentin der Hessischen Jugendfeuerwehr. Helena hat sehr lebendig dargestellt, wie vielfältig unsere Mitglieder sind.

Lauffeuer-Online: Wie geht’s mit dem Projekt in Zukunft weiter?

Patzelt: Das Projektteam bietet Workshops für die Jugendfeuerwehren und im Landeszeltlager 2015 an. Wir möchten mit den Feuerwehren, die Bedürfnisse junger Menschen und ihre Integration in Gespräche mit Führungskräften oder durch einen Vortrag thematisieren. Außerdem begleiten wir einen Jugendlichen, der kurz vor seinem Übertritt steht, in der Phase seines Übertritts und in den Monaten danach. In einem "Tagebuch" wird seine Geschichte dokumentiert. Jugendliche bekommen die Chance, an einer Imagekampagne teilzunehmen und sich mit dem Motto "Ehrensache - Ich mache weiter" zum Ehrenamt Feuerwehr zu bekennen.

Lauffeuer-Online: Wer darf die goldene Trophäe mit nach Hause nehmen?

Patzelt: Ich muss gestehen, dass sie zwei Tage bei mir auf dem Wohnzimmertisch stand. Die macht mich schon mächtig stolz. Aber jetzt steht sie in unserem Jugendraum in der Hauptfeuerwache. Denn sie gehört eindeutig dem tollen Team der Jugendfeuerwehr Bremen und dem LFV.

Lauffeuer-Online: Der 1. Preis der „Helfenden Hand“ ist mit 8.000 Euro dotiert. Was werdet Ihr mit dem Preisgeld machen?

Patzelt: Was, so viel? Das habe ich noch nicht richtig begriffen, obwohl wir den großen Gutschein-Scheck bekommen haben. Mittel in dieser Höhe standen uns noch nie zur Verfügung, da werden wir uns schon gut beraten müssen. Wir werden es definitiv einsetzen, um mit dem Projekt die Übertritte von jungen Menschen von der JF zur FF noch besser zu gestalten. Was genau, kann ich noch nicht sagen.

Darf ich noch jemandem danken?

Lauffeuer-Online: Ja natürlich.

Patzelt: Ich möchte mich bei allen Ratgebern und Unterstützern bedanken, bei allen Mitwirkenden. Vor allem aber möchte ich Danke sagen an den Vorstand des LFV, dass wir als Jugendfeuerwehr auch bei Verbandsthemen richtig mitbestimmen dürfen und so stark unterstützt werden. Und ich möchte Cem Erdogdu, Yvonne Huf und Pascal Schulz danken unser Integrationstrio. Die drei zeigen großes Interesse an Jugendverbandsarbeit, das begeistert mich.

Lauffeuer-Online: Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg mit Eurem Projekt.

 

2. Preis in der Kategorie „Innovative Konzepte“ geht an die Deutsche Jugendfeuerwehr - „Demokratieberater – Feuerwehren im Einsatz für eine starke Gemeinschaft“

Susanne Beyer ist die Leiterin des Projekts „Demokratieberater – Feuerwehren im Einsatz für eine starke Gemeinschaft“ der Deutschen Jugendfeuerwehr. In der Kategorie „Innovative Konzepte“ wurde das Projekt mit dem 2. Preis der Helfenden Hand ausgezeichnet. Wir gratulieren den Demokratieberaterinnen und -beratern ganz herzlich und haben Susanne um ein Interview gebeten.

Lauffeuer-Online: Susanne, ein sensationeller Erfolg für Dich und Dein Projekt. Herzlichen Glückwunsch!

Susanne Beyer: Danke. Ich freue mich auch sehr, vor allem für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Projektes, die haben den Preis wirklich verdient.

Lauffeuer-Online: Wo hat das Projekt seinen Ursprung und seit wann gibt es das?

Beyer: „Demokratieberater – Feuerwehren im Einsatz für eine starke Gemeinschaft“ ist das Projekt der Deutschen Jugendfeuerwehr zum Thema Förderung von Demokratie und Teilhabe. Seit dem 1. Januar 2013 bis zunächst Ende 2014 wird das Projekt "Demokratieberater" im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ durch das Bundesministerium des Innern gefördert.

Lauffeuer-Online: Die Deutsche Jugendfeuerwehr bildet also Feuerwehr- bzw. Jugendfeuerwehrleute zu Demokratieberatern aus?

Beyer: Genau, im Zuge des Projekts wurden Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, der Jugendfeuerwehr aber auch des THW sowie der THW-Jugend zu Demokratiepartnerinnen und Demokratiepartnern qualifiziert.

Lauffeuer-Online: Warum ist es aus Sicht der Deutschen Jugendfeuerwehr so wichtig Demokratieberaterinnen und -berater auszubilden?

Beyer: Konflikte gibt es überall, auch in den Feuerwehren und Jugendfeuerwehren. Manchmal führen Konflikte dazu, dass Einzelne oder bestimmte Gruppen ausgegrenzt oder diskriminiert werden und dadurch ein Klima der Ungleichwertigkeit gelebt wird. Dies widerspricht dem demokratischen Leitbild von Feuerwehren und Jugendfeuerwehren grundlegend. Damit Konflikte nicht zu einem demokratiegefährdenden Klima führen, ist es wichtig, sich frühzeitig in den betreffenden Gruppen darüber zu verständigen.

Lauffeuer-Online: Sind also die Demokratieberater auch als Multiplikatoren des Demokratiegedankens in den Feuerwehren und Jugendfeuerwehren zu verstehen?

Beyer: Nicht nur. Denn Ziel des Projektes ist es, die Bereitschaft und Fähigkeit zur Konfliktlösung in Feuerwehren und Jugendfeuerwehren zu fördern sowie Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im Verband zu finden und zu qualifizieren, die solche Prozesse hilfreich unterstützen. Das zentrale Ziel des Projektes ist es jedoch, die demokratische Kultur, die den Jugendfeuerwehren und Feuerwehren zugrunde liegt, als eine bewusst gelebte und natürliche Praxis zu fördern.

Lauffeuer-Online: Welche Vorteile siehst Du darin für die Feuerwehren und Jugendfeuerwehren?

Beyer: Dies stärkt nicht nur den Zusammenhalt innerhalb der Jugendfeuerwehren und Feuerwehren sondern auch ihr Ansehen bei Außenstehenden, Unterstützern und potenziellen neuen Mitgliedern.

Lauffeuer-Online: Das Projekt läuft seit dem 1. Januar 2013, sagtest Du. Was ist seit dem passiert?

Susanne: Da ist einiges passiert. In sechs Modulen wurden im Demokratieberaterprojekt zehn Feuerwehr- und THW-Angehörige innerhalb eines Jahres ausgebildet. Ende November haben sie gemeinsam mit den Beraterinnen und Beratern, die in den Projekten der Landesfeuerwehrverbände Ostdeutschlands qualifiziert wurden, ihre Abschlusszertifikate erhalten. Teil des Projektes waren auch viele weitere Fortbildungs- und Vernetzungsveranstaltungen, um weitere Impulse für das Thema Demokratie in der Verbandsarbeit zu entwickeln und zu verbreiten. Darüber hinaus wurde im Rahmen des Demokratieberaterprojekts das Positionspapier „Die Werte der Jugendfeuerwehr“ im Rahmen des Forums JugendfeuerWEhRT entwickelt.

Lauffeuer-Online: Das heißt, auch nach der abgeschlossenen Ausbildung geht es für die Demokratieberater weiter?  

Beyer: Ja, jetzt heißt es selbstständig werden. Mit der Ausbildung haben sie das Handwerkszeug erhalten, nun gilt es das Erlernte in ihren eigenen Verbänden umzusetzen. Ein regelmäßiger Austausch über die Verbandsgrenzen hinaus ist dabei natürlich wünschenswert.

Die DJF hat einen Folgeantrag für das Projekt gestellt. Auf die Antwort warten wir derzeit noch.

Lauffeuer-Online: Das heißt also Daumen-drücken.

Beyer: Genau. Ich denke Anfang des nächsten Jahres müssten wir mehr wissen.

Lauffeuer-Online: Herzlichen Dank, dass Du dir Zeit genommen hast für unsere Fragen. Alles Gute für Dich und das Projekt.

Mit dabei bei der Preisverleihung in Berlin: Yvonne Huf, Cem Erdogdu, Marcus Schleef, Pascal Schulz, Matthias Schulz und Christian Patzelt (von rechts).
Sich Zeit nehmen: Gian-Luca (rechts) erklärt Tom das Digitalfunkgerät.
Kommunikation über eigene Erfahrungen: Niklas (links) und Pascal tauschen sich aus.
Tom (links) und Gian-Luca wissen, wie wichtig Zusammenarbeit ist. Helfende Hand 2014: Jugendfeuerwehren räumen ab! Helfende Hand 2014: Jugendfeuerwehren räumen ab! Helfende Hand 2014: Jugendfeuerwehren räumen ab!

Videos


Diesen Artikel bewerten

Meist gelesen

Am Besten bewertet

Zurück