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Leben retten nach dem Tod

Neues Gesetz soll Bereitschaft zur Organspende in Deutschland deutlich erhöhen

Leben retten nach dem Tod

Für einige Menschen ist der Besitz eines Organspendeausweises heute längst eine Selbstverständlichkeit. Viele andere sehen darin eine heikle Gewissensfrage oder melden nach den jüngst bekannt gewordenen Skandalen laute Zweifel an. Seit Beginn des Monats gilt nun eine neue gesetzliche Regelung, die für eine höhere Anzahl an Personen mit der Bereitschaft zur Organspende sorgen soll. 

 

In der Bundesrepublik warten lauten Gesundheitsministerium derzeit rund 12.000 Menschen oft lange Zeit auf eine Organtransplantation. Täglich sterben im Durchschnitt drei Patienten, weil die Anzahl der Spender schlichtweg zu gering ist. Deutlich wird dies an der Quote von nur etwa einem Viertel der Deutschen, die tatsächlich einen Organspendeausweis besitzen. Mit diesem erklären sie sich damit einverstanden, dass ihnen im Falle ihres Todes Organe und Gewebe entnommen werden dürfen.

Am 1. November 2012 ist daher das "Gesetz zur Regelung der Entscheidungslösung im Transplantationsgesetz" in Kraft getreten. Hinter diesem sperrigen Titel verbirgt sich das Ziel, die Bürger über umfangreiche Informationskampagnen für das Thema zu sensibilisieren und die Spendenbereitschaft merklich zu erhöhen. Neben den staatlichen Instiutionen sind bewusst auch die Krankenkassen sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit einbezogen.

Für die Krankenkassen bedeutet dies die Vorgabe, dass sie alle ihrer Versicherten kontiunierlich auf die Möglichkeit zur Organspende hinweisen müssen. Geschehen wird das per Post mit Anschreiben für alle krankenversicherten Bürger ab 16 Jahren, also auch für Dich als Mitglied oder Ausbilder einer Jugendfeuerwehr. Interessenten können, durch das neue Gesetz garantiert, bei ihrer Kasse auch jederzeit Kontakte zu speziellen Ansprechpartnern für das Thema Organspende erfragen. 

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr betont einen der aus seiner Sicht wichtigsten Aspekte: "Jeder, der sich zu Lebzeiten für die Organspende entscheidet, entlastet damit seine Angehörigen, die sonst in einer für sie sehr schwierigen Phase befragt werden." Eine Studie der BZgA belege, dass gut informierte Menschen eher einen Spendeausweis ausfüllten und der Sache positiver gegenüber ständen.

Neu ist seit dem 1. November dieses Jahres auch die Möglichkeit, sich seinen persönlichen Organspendeausweis im Pass- oder Bürgeramt ausstellen zu lassen. Auf diesem kann sich der potenzielle Spender zwischen folgenden Auswahlmöglichkeiten entscheiden: 

  • Man stimmt der Organentnahme grundsätzlich zu oder widerspricht dieser ausdrücklich.
  • Man genehmigt nur die Entnahme von bestimmten Organen/Geweben oder verbietet diese.
  • Man überträgt die Entscheidung einer Person des Vertrauens.

Anders als etwa in Österreich, wo jeder Bürger automatisch Organspender ist - es sein denn, es liegt eine Widerspruchserklärung vor - kann man sich in Deutschland also auch weiterhin freiwillig für den Besitz eines Ausweises und damit die Bereitschaft zur Spende entscheiden. Ein Handel mit Organen ist gesetzlich verboten, die Vermittlung an einen bedürftigen Patienten ist ausschließlich der gemeinnützigen Stiftung "Eurotransplant" vorbehalten.

Nicht unerwähnt sollen an dieser Stelle die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Verdachtsfälle von manipulierten Organvergaben bleiben. An mehreren Kliniken in der Bundesrepublik sollen laut Medienberichten unter anderem Untersuchungsergebnisse gefälscht worden sein, um schneller Organe für Patienten zu erhalten. 

Deine Meinung interessiert uns: Wie stehst Du zum Thema Organspende, hast Du einen Ausweis oder bist Du noch unentschlossen?

 

gr

 

 

Für Interessierte: Hier findest Du ausführliche Informationen zur Organspende, den rechtlichen Grundlagen sowie Erfahrungsberichte von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

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