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Zeit, dass sich was dreht

Mädchen und Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr

Zeit, dass sich was dreht

"Frauen an den (Brand-)Herd?" Nicht erst seit gestern ist klar, dass die langfristige Sicherung des Brand- und Katastrophenschutzes in Deutschland maßgeblich davon abhängt, dass sich auch Menschen in den Feuerwehren engagieren. Allerdings liegt das Engagement der Männer bislang deutlich über dem der Frauen. Die Frauen bildeten im Jahr 2006 mit bundesweit etwa sieben Prozent immer noch eine kleine Minderheit in den Feuerwehren. In der Deutschen Jugendfeuerwehr ist der Anteil mit 25 Prozent deutlich höher.

 

 

Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) und damit auch die Deutsche Jugendfeuerwehr haben sich vorgenommen, Frauen/Mädchen besser in den Dienst der Freiwilligen Feuerwehren zu integrieren. Es geht insbesondere darum, mehr Frauen für das Ehrenamt Feuerwehr begeistern und den Mädchen aus den Jugendfeuerwehren den Übertritt in die Einsatzabteilungen zu erleichtern. Das dazu angestoßene Forschungsprojekt wird im Rahmen des Programms „Generationsübergreifende Freiwilligendienste“ durch das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

 

Lauffeuer-Online sprach mit Dr. Anja Voss, wissenschaftliche Referentin für das Projekt beim Deutschen Feuer­wehr­verband, über ihre Zwischenbilanz.

 

Wie war die Ausgangssituation zu Beginn des Projektes?

Der Anteil der Mädchen in der Jugendfeuerwehr betrug schon 2004 rund 22 Prozent. Umso bedenklicher stimmte es, dass im aktiven Feuerwehrdienst damals nur eine sehr kleine Minderheit, nämlich fünf Prozent Frauen tätig waren. Der Übergang von der Jugendwehr in die aktive Einsatzwehr stellte eine Schnittstelle dar, an der viele Jugendliche (mehr Mädchen als Jungen) die Feuerwehr verließen. Auch in den Führungs­gremien der Feuerwehr mussten Frauen mit der Lupe gesucht werden.

 

Wie sieht die bisherige Bilanz aus?

Zum jetzigen Zeitpunkt ziehe ich persönlich eine positive Bilanz. Die im Rahmen des Forschungsprojektes entwickelten Leitlinien bieten eine klare Arbeitsgrundlage für Maß­nah­men und Projekte. Wir haben mit unseren Arbeitsschwerpunkten Regionalkonferenzen, Hand­reichungen und Auf- und Ausbau der Homepage einen Raum zur Vernetzung von Feuerwehrfrauen geschaffen und die Öffentlichkeitsarbeit forciert. Feuerwehrfrauen sind sichtbar geworden. Der Frauenanteil in den Feuerwehren ist von 2004 bis 2006 immerhin von fünf auf sieben Prozent gestiegen.

 

Was hat Sie persönlich an diesem Thema besonders gereizt?

Für mich war es zum einen eine große Herausforderung, die Integration von Mädchen und Frauen gerade in einer solchen Männerdomäne wie der Feuerwehr zu forcieren. Da ich seit über zehn Jahren in einem ähnlichen Ehrenamt wie der Feuerwehr, nämlich im LandesSportBund NRW, Mädchen- und Frauenarbeit leiste, sind mir die Strukturen einer zum Großteil ehrenamtlich arbeitenden Organisation bekannt. Zum anderen bietet das Projekt die seltene Gelegenheit, die theoretischen Ergebnisse des Forschungsprojektes unmittelbar in die Praxis umzusetzen. In unserem Projekt können wir auf der Grundlage der Leitlinien ganz gezielt die Feuerwehr für Mädchen und Frauen attraktiver gestalten.

 

Wie schätzen Sie die Zukunft der Frauen in der Deutschen Feuerwehr ein?

Nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels wird die Feuerwehr zunehmend auf Frauen angewiesen sein. Ich habe aber den Eindruck, dass die Frauen in den nächsten Jahren mehr sein werden als eine notwendige Ressource. Umso mehr hoffe ich, dass wir insgesamt die Voraussetzungen für eine nachhaltige Veränderung der Strukturen einrichten können.

 

Was kann Ihrer Meinung nach die Jugend­feuer­wehr zur Veränderung/Verbesserung beitragen? Die Jugendlichen sind die größte Ressource der Frei­willigen Feuerwehren. Unsere Untersuchung hat jedoch gezeigt, dass gerade der Übergang von der Jugend­feuer­wehr in die Einsatzabteilung eine Schnittstelle darstellt, an der viele Mädchen (und auch Jungen) verloren gehen. Die Jugendfeuerwehr kann zu einer Verbesserung des Übergangs beitragen, in dem die Verantwortlichen wie zum Beispiel die Jugendwartinnen und Jugendwarte frühzeitig Kontakte mit der Einsatzwehr aufnehmen, so dass die Jugendlichen in Form eines „fließenden Überganges“ integriert werden können. Das heißt, dass sie im Alter von 16 bis 18 Jahren in beiden Wehren teilnehmen können und langsam an die Arbeit der Einsatzwehr herangeführt werden können. Mit Blick auf die Mädchen ist es wichtig, dass sie weibliche Vorbilder haben, dass Frauen auch in Führungs­gremien sichtbar sind.

 

 

 

Hintergründe, Berichte, Handreichung zum Download, Fotos, Kontaktdaten von Ansprechpartnerinnen auf Bundes- und Landesebene und vieles mehr gibt es im Internet unter

 

http://www.feuerwehrfrauen-netzwerk.org.

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