Für Aufklärung und Prävention statt Hass und Shitstorm!

Ein Kommentar von unserem Online-Redakteur Nils

Für Aufklärung und Prävention statt Hass und Shitstorm!
Jugendfeuerwehr heißt gemeinsam an einem Strang ziehen

Wofür steht die Arbeit in der Feuerwehr oder Jugendfeuerwehr? Teamgeist, Respekt und Hilfsbereitschaft sind drei Schlagworte und sicherlich gibt es noch viele weitere. Doch in den aktuellen Diskussionen vermisse ich diese streckenweise: Am Montag berichteten die Medien bundesweit über die Niedersächsische Jugendfeuerwehr (NJF) und die Geldauflage von Sebastian Edathy. Dieses Geld soll für das Präventionsangebot im Bereich Kindeswohlgefährdung genutzt werden.

Ich gebe zu, dass ich am Anfang etwas irritiert war. Passt das? Ein Jugendverband, der das Geld annimmt? Immerhin hat der Kinderschutzbund abgelehnt. Ich habe mich mit einigen Menschen ausgetauscht und wie so oft: Man sollte sich nicht von seinen ersten Gefühlen leiten lassen, sondern kritisch hinterfragen.

Rechtsstaat und Moral müssen getrennt werden

Wir leben in einem Rechtsstaat. Nun gab es vor Gericht eine Einigung. Ob dies moralisch ist, fragen einige. Andere sprechen von freikaufen. Unser Rechtssystem sieht aber die Möglichkeit einer Geldauflage vor. Das Gericht ist nicht für die moralische Interpretation zuständig, sondern soll nach Gesetzen urteilen. Dies ist auch gut so. Ob die Gesetze immer richtig sind, ist eine völlig losgelöste Diskussion, der sich die Politik stellen muss. Eine Vermengung dieser Fakten ist zwar schnell da, aber nicht angebracht.

Hoher Imageschaden, aber richtige Entscheidung

Doch zurück zur NJF. Wenn das Gericht nun urteilt, dass die Geldauflage richtig ist, so kann ein Verband aus moralischen Aspekten die Zahlung nicht ablehnen, denn dadurch würde die Rechtstaatlichkeit infrage gestellt und somit unser gesamtes Rechtssystem. Viele Verbände, auch der Kinderschutzbund, erhalten Gelder aus ähnlichen Prozessen und keiner hinterfragt diese Zahlungen. Doch bei dem aktuellen medialen Interesse ist es nicht leicht den öffentlichen Druck auszuhalten. Ja, über Herrn Edathys Posting nach dem Urteil lässt sich streiten, aber auch dies ist losgelöst von der Zahlung, die er zu leisten hat. Daher hat die NJF richtig gehandelt und verdient meinen Respekt für solch eine mutige Entscheidung!
Sie billigt damit nicht die Taten von Herrn Edathy, noch solcher Bilder. Im Gegenteil. Sie unterstützt damit die Kinder und sorgt vielleicht damit, dass früh genug ein Kind vor so etwas geschützt werden kann.

Leider wird die NJF einen hohen Preis dafür bezahlen. 5.000 Euro sind wenig für den entstandenen Imageschaden. Doch diesen hat nicht die NJF verursacht. Der Presse fehlte es leider an der Objektivität in der Berichterstattung und so verzerrte sie das Bild. Es gibt keine klare Trennung zwischen den Fehlern während der Ermittlung, dem eigentlichen Prozess, dem Urteil und nun der Verwendung der Geldauflage. Doch genau dies ist bei solch einem komplexen Fall dringend nötig.
Der moralische Gewinner, der Kinderschutzbund, ist für mich nicht aufrichtig, denn dann dürften diese künftig keine Gelder mehr aus Gerichtsverhandlungen annehmen.

Hinterfragen und nicht dem ersten Gefühl blind folgen

Der sogenannte Wutbürger gewinnt immer mehr die Oberhand. Sachliche Argumente, kritische Hinterfragung und einander zuhören wird vernachlässigt. Es gilt das Gesetz des Lauteren und jeder, der nicht der Mehrheit folgt, wird beschimpft, verspottet und bedroht.

Nichts davon entspricht meinem Bild bei der Arbeit in der Jugendfeuerwehr. 

Also liebe Jugendwarte, Betreuer, Jugendliche und Eltern:
Denkt über euer Verhalten nach. Hinterfragt kritisch und folgt nicht immer dem ersten Gefühl und droht nicht mit Rück- bzw. Austritt oder ähnlichem. Wenn ihr anderer Meinung seid, dann geht respektvoll miteinander um und akzeptiert, dass es auch andere gibt. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, dass es zu schützen gilt, ohne Shitstorm und Anfeindung. Die Werte für die ihr vor Ort so gute Arbeit leistet gelten auch in diesem Fall

meint Nils

PS: Dies ist ein Kommentar und gibt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion, noch die der Deutschen Jugendfeuerwehr wieder. 

nb

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