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Jugendfeuerwehr Murg überzeugt in Interlaken

JF gewinnt Teilnahme an der Schweizer Jugendfeuerwehrmeisterschaften

Jugendfeuerwehr Murg überzeugt in Interlaken

Bei den Schweizer Meisterschaften der Jugendfeuerwehren in Interlaken war die Jugendfeuerwehr Murg als erster und einziger deutscher Teilnehmer dabei.

Die Geschichte beginnt in der ersten Aprilhälfte. Eine E-Mail mit dem altbekannten Aufdruck "Sie haben gewonnen" liegt im Briefkasten der Jugendleiterin Helga Langnickel. Eigentlich ein Kandidat erster Güte für den Papierkorb. Zum Glück öffnet sie ihn aber dennoch. Die Jugendfeuerwehr Murg hat nämlich tatsächlich etwas gewonnen, sogar den Hauptpreis bei einer Verlosung der Zeitschrift "Lauffeuer": Die Teilnahme an den Schweizer Jugendfeuerwehrmeisterschaften in Interlaken, inklusive Verpflegung für das ganze Wochenende. Einziges Problem: Der Wettkampf sollte schon am 11. Mai stattfinden - zugegeben nicht besonders viel Vorbereitungszeit, zumal Regeln und Taktiken nicht deckungsgleich mit denen deutscher Wettbewerbe sind.
Nach einer kurzen Internetrecherche waren sich die Ausbilder der Jugendfeuerwehr allerdings schnell einig. Ein dreitägiges, internationales Feuerwehrfest, diverse Schauübungen und Vorführungen, Fahrzeugausstellungen, Wettbewerbe der Einsatzabteilung und eben die Schweizer Jugendfeuerwehrmeisterschaften - eine solche Gelegenheit sollte man sich nicht durch die Lappen gehen lassen. Besonders dann nicht, wenn Kost und Logis gestellt werden.
Auch die Befragung der Jugendfeuerwehrmitglieder kam zum selben Schluss. Schnell hatte sich eine acht Mann bzw. Frau starke Gruppe zusammengefunden, welche am Wettkampf teilnehmen wollte. Jetzt musste nur noch eines geklärt werden: Welche Anforderungen werden denn überhaupt konkret gestellt? Auch hier konnte das Internet wieder - zumindest in groben Zügen - Abhilfe schaffen. Es galt in 20 Minuten einen Löschangriff auf- und wieder abzubauen und zeitgleich einen komplizierten Parcours zu bewältigen, wie er aus der deutschen Jugendfeuerwehrwelt nicht bekannt war. Die Übungsbahn war in die drei Segmente Spiel, Rettungsdienst und Brandbekämpfung aufgeteilt, welche nacheinander absolviert werden mussten.
Zuerst sollten in zwei Teilgruppen zehn Meter auf Gruppenskis zurückgelegt werden, neben Koordination und Teamarbeit war hier sicher auch ein Quäntchen Glück erforderlich.
Anschließend wurde eine vorschriftskonforme Menschenrettung über eine Leiter durchgeführt, zeitgleich musste ein Teil der Gruppe diverse Knoten stechen und mit der Kübelspritze  fünf Liter Wasser durch eine verhältnismäßig kleine Öffnung in einen Eimer abgeben. Der darauf folgende Teil „Brandbekämpfung“ forderte  alles von den Teilnehmern. Aufgabenstellung war, ein C-Rohr mit 75 Metern Schlauchleitung durch eine Hindernisbahn mit Kriechtunnel, Schlauchmuni, Schwebebalken und Slalomkurs vorzunehmen, außerdem am Ende Tennisbälle von Pylonen zu spritzen, wobei die Pylonen nicht umfallen durften. Sobald die ganze Gruppe den Parcours durchlaufen hatte, konnte mit dem ordnungsgemäßen Rückbau begonnen werden. Das alles hatte in maximal 20 Minuten zu geschehen, für jeden Fehler gab es empfindliche Zeitstrafen.
Wie so oft steckte der Teufel aber auch hier im Detail, Schweizer Taktik als auch Sprache hielten einiges an Tücken parat: "Was zum Henker ist ein Schlauchmuni? Wie sieht ein Samariterknoten aus? Haben „die da drüben“ überhaupt die gleichen Schläuche wie wir? Wie müssen Schläuche in der Schweiz ordnungsgemäß gerollt werden? Wie hat die Menschenrettung über eine tragbare Leiter in der Schweiz abzulaufen? Wie werden Leinen in der Schweiz gewickelt?"
Diese und ähnliche Fragen stellten Ausbilder und Jugendliche vor eine Herausforderung. "Durch die freundliche Hilfe der Schweizer Jugendfeuerwehr  Bad Zurzach konnten wir uns allerdings vor Ort ein Bild davon machen, wie die Jugendfeuerwehrwettkämpfe auf der anderen Rheinseite ablaufen", sagt Jugendleiterin Langnickel.
Nachdem also die meisten Fragen geklärt waren, konnte die Sache in Angriff genommen werden. Mit insgesamt vier Sonderproben in den verbleibenden 3 Wochen bereitete sich die Wettkampfgruppe intensiv auf das Event vor.
Am Morgen des 11. Mai ging es dann los. Acht Murger Jugendfeuerwehrler, namentlich Dominik Wiesler, Martin Büttner, Lukas Schmidt, Nadine Zimmermann, Nadine Sperka, Philipp Schmidt, Sebastian Stöcklin, Sebastian Mortzik, Jugendleiterin Helga Langnickel sowie die Ausbilder Daniel Schmidt und Heiko Mehlfeld, machten sich auf den Weg zum Militärflugplatz Interlaken.
Da die deutsche Gruppe erst in der letzten Runde um 17:30Uhr startete, war ausreichend Zeit, sich bei anderen Wettkämpfern die letzten Handgriffe abzuschauen, sowie das Rahmenprogramm zu begutachten.
Motiviert durch die Aussage eines Schiedsrichters, dass „die Deutschen“ ohnehin außer Konkurrenz starteten und es nicht persönlich nehmen sollten, sollten sie den letzten Platz belegen, ging die Gruppe an den Start.
Nach nur 7:35 Minuten  war die Übung - mit einer überschaubaren Anzahl an Fehlerpunkten - beendet. Zum Erstaunen aller Anwesenden konnte  die Jugendfeuerwehr Murg den 13. Platz erringen, also 17 andere Mannschaften hinter sich lassen. Dieses Ergebnis reichte zwar nicht zur Qualifikation in die Endausscheidung am 12. Mai, ist aber, besonders wenn man die geringe Vorbereitungszeit bedenkt, "sehr gut", so die Ausbilder Schmidt und Mehlfeld. Nach einem aufregenden Wochenende, das allen Teilnehmern sicher für lange Zeit in Erinnerung bleiben wird, stand am Sonntag nur noch die Rückfahrt und eine gebührende Feier des erzielten Erfolges an.
"Zuletzt", sagt die Jugendleiterin, "bleibt nur noch, den Jugendfeuerwehlern zu gratulieren und allen, die uns die Teilnahme ermöglicht und uns bei den Vorbereitungen unterstützt haben zu danken."

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