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Weißt Du noch?

Erinnerungen an den Deutschen Jugendfeuerwehrtag 2001

Weißt Du noch?

Vor ziemlich genau sieben Jahren fand der 17. Deutsche Jugendfeuerwehrtag statt. Und das in bisher nicht gekannter Größe: Vom 30. August bis 2. September 2001 trafen sich in Saarlouis bzw. Dillingen im Saarland viele tausend Jugendfeuerwehrleute und ihre Betreuer aus Deutschland und der Welt zu einem riesigen Event. Es herrschte ein wenig Kirchentagsatmosphäre mit Übernachtungen in Sporthallen, Messen, Dikussionsforen, abendlichen Open-Air-Konzerten und viel Trubel überall in den beiden Städten. Die ältesten Jugendlichen von damals sind heute Mitte Zwanzig. Warst Du als Jugendlicher oder Betreuer dabei? Erinnerst Du Dich noch? Wie war Dein DJF-Tag 2001?

 

Action beim DJF-Tag 2001: Känguruh-Boxen in der Innenstadt

06.30 Uhr. Mit einem lauten „Klack" schaltet das Relais, und flimmernd tauchen die Scheinwerfer die dämmrige Sporthalle in grelles Neonlicht. Anschwellendes Stimmengewirr. Jetzt bloß noch nicht aufstehen, statt dessen die warme Decke über den Kopf. Wieder Dunkelheit, Ruhe. Weiterschlafen. 07.00 Uhr. Ein dumpfer Schlag, leichte Schmerzen am Kopf, Gelächter, aber nach wie vor die dunkle Decke über dem Gesicht. Ich kombiniere: Die Jugendlichen haben mich von meiner Matratze auf den Hallenboden gekippt. Ich schlage die Decke vom Gesicht und gratuliere ihnen zu ihrem Triumph. Daraufhin trollen sie sich. Auf der Matratze neben mir Jens, auch Ausbilder. Unsere Blicke treffen sich. „Du siehst aus wie ein zertretener Pappkarton." Wir müssen beide lachen. Unser Blick streift durch die Halle. Draußen vor den Fenstern ist es nicht gerade einladend: Dunkelgrau und naß. In der Halle stehen langsam die letzten auf, und eine Kolonne bewegt sich schlurfend auf Badelatschen in Richtung Duschen/ Waschräume. Unsere Entscheidung steht fest - antizyklisches Vorgehen: Erst einmal Hose und Pulli überziehen, dann ins Foyer zum Frühstück, bis der Ansturm im Sanitärbereich vorbei ist. Schlange stehen für die beiden Brötchen und Kakao, bis wir mit allen Ausbildern am Tisch eingetroffen sind. Wir besprechen kauend mit dem Programmheft auf dem Tisch den Tag.

In der Dusche rauscht anschließend angenehm heißes Wasser über unsere Köpfe und Körper, der Dampf steht in der Luft. Laut reißen alle irgendwelche Witzchen, die von den gekachelten Wänden widerhallen. „Und aus welcher Stadt kommt Ihr?" Immerhin ist man jetzt wach. - Die Tür geht auf und herein kommt eine Prozession, die einen ziemlich jungen Ausbilder nur mit Boxershorts bekleidet und festgeschnallt auf einem Feldbett trägt und unter johlendem Gelächter kopfüber unter eine der Duschen stellt. Wirkliche Freude darüber ist ihm nicht anzumerken. Als sie abgezogen sind, befreit er sich mit unserer Hilfe wütig von der Feuerwehrleine und schmeißt alles auf den Fliesen. Auf unsere dummen Sprüche hin muß er dann aber schon wieder grinsen und stellt sich auch erst einmal mit unters heiße Wasser. Das läßt manches erträglicher erscheinen...

 

10.30 Uhr. Nach kurzer Besprechung mit den Jugendlichen steigen wir in die MTF's, um rüber nach Dillingen zu fahren. In Dillingen bleibt noch etwas Zeit zu überbrücken bis zur Eröffnung des Info- Marktes in der Stadthalle. Wir entscheiden uns für die Fußgängerzone. Die kommt mir wirklich groß vor für eine doch eher kleine Stadt. Wir kaufen einige Postkarten für unseren Stadtbrandmeister, den Förderverein und die Feuerwehr insgesamt. Es soll sich ja keiner beschweren können. Danach geht's wieder zurück zur Stadthalle. Zum Glück wird das Wetter immer besser. In der Halle schleichen alle an den Ständen vorbei. Sebastian, Max und Florian, drei unserer Jugendlichen, winken mich zu sich. „ Hey, wir brauchen noch einen vierten Teilnehmer für die Sex- Ralley von pro Familia!" Da ziehe ich es dann doch vor, ihnen einen anderen von unseren Jugendlichen zuzuschieben. Der ist am Anfang etwas pikiert, aber das soll sich ja durch das Spielchen gerade ändern.

Um 11.30 Uhr treffen wir uns wieder vor der Halle. Auf lauten Protest hin, weil wir die Strecke zur Verpflegungsstelle am Sportzentrum zu Fuß zurücklegen wollen, erleichtert ein Blick auf die Uhr die Entscheidung fürs Auto, denn immerhin wollen wir bis 13.00 Uhr zu Workshops und Symposium wieder hier sein. In der Sporthalle Krach und wieder mal Schlange stehen. „Mein Veranstaltungspass fürs Essen ist weg!" „Hab ich nicht gesagt, dass Ihr gut drauf aufpassen sollt?" Naja, das hilft jetzt auch nix mehr. „Ich schlage vor..." (Irgendeinen Trick findet man eben immer, um zu seiner Mahlzeit zu kommen...  ;o)) 

 

Die Entscheidung, heute morgen noch schnell am Getränkemarkt gehalten und den Jugendlichen je eine Flasche Wasser ausgeteilt zu haben, erweist sich als klug, denn so müssen sie nicht auf den auf Dauer teuren Getränkestand vor der Halle zurückgreifen. Was mich an dem jedoch am meisten ärgert, ist das viele Bier, was dort allgemein und sogar schon jetzt am späten Vormittag über die Theke geht. Passt eigentlich jemand auf, wie alt die Bier- Kunden sind? Muss man eine Jugendveranstaltung von einer Brauerei sponsern lassen?

 

Um 13 Uhr geben wir die Jugendlichen zu den Workshops im Park rund um die Stadthalle ab und gehen selbst rauf zum Symposium. Die Firma Gore hat die Tische ordentlich mit Material wie z.B. Blöcken und Stiften an jedem Platz eingedeckt. Und an unserem Tisch sitzen gerade mal wir sechs! Vorfreude auf die ganzen Werbeartikel stellt sich ein, die aber jäh verschwindet, als einer vom Nachbartisch rüberkommt, sich einfach wortlos alles zusammen rafft und damit wieder verschwinden will. Den „Wo sind wir denn hier?"- Blick können wir uns nicht verkneifen, woraufhin er entgegnet: „Wir schreiben ja auch sehr viel." Ahhh ja... 

 

In der Mitte des zweiten Vortrages beginnen bei einigen, die Augen zuzufallen; die Nacht war einfach zu kurz. Dann steht der erste Block der Symposien an. Wir haben uns für Internationale Jugendarbeit angemeldet. Ein wenig entsetzt stellen wir in der Pause vor dem zweiten Block fest, das einige unserer Jugendlichen schon wieder unten in der Halle herumlaufen, weil die Workshops zum Teil bereits zu Ende sind. Was bleibt uns anderes, als sie noch einmal in die Stadt zu schicken? Sie wollen natürlich lieber in die Unterkunft zurück, um sich vor dem Abend noch etwas auszuruhen. Doch unser Programm bis dahin ist noch lang: 18.00 Uhr Abendessen (noch mal Schlange stehen, noch mal den Trick wegen des verlorenen Passes), dann Einladung unseres Landesvorstandes in sein Hotel zur Vorbesprechung für die Delegiertenvollversammlung morgen. Zur allgemeinen Freude gibt es dort solchen Luxus wie eiskalte Cola für alle - man wird in der Sporthalle schnell bescheiden.

 

Auf der Rückfahrt in die Unterkunft kommt die besorgte Frage der Mädels, ob sie denn gleich noch genügend Zeit hätten, sich zu stylen. Wie lange sie dafür bräuchten, wollen wir wissen. „Oooch, so eine halbe Stunde oder so..." Auf die Frage, was sie denn alles vorhätten, bekommen wir als Banause natürlich keine Antwort mehr.

 

In der Dillinger Eissporthalle ist die Stimmung schon bei unserer Ankunft gigantisch, die Band genial. Nach der endgültig letzten „Zu- ga- be!" geht's zurück in unsere Sporthalle. Als ich endlich auf meiner Matratze liege und gerade die Augen geschlossen habe, fliege ich plötzlich kurz in die Luft und lande wieder auf dem Luftbett: Ben und Florian, zwei unserer 16jährigen, sind im Schlafsack herangehüpft, haben sich links und rechts von mir auf meine Matratze fallen lassen und liegen nun neben mir. Wie ich den Tag so gefunden hätte? Nach eingehender Diskussion und kurzer Rangelei verabschieden sie sich wieder auf ihr eigenes Schlaflager.

 

Ein Ausbilder der Jugendfeuerwehr neben uns kommt rüber und setzt sich im Halbdunkel zu uns. Er ist wie wir angenervt, daß eine weitere Gruppe in der Halle nach wie vor unglaublichen Lärm macht. Wen wundert's, es sind ja auch keine Betreuer anwesend. Die finden wir draußen im Foyer, wie sie sich gerade kollektiv die Kante geben - worin ihnen die unbeaufsichtigten Jugendlichen in der Halle natürlich in nichts nachstehen. Wegen des Alkoholspiegels mitunter hitzige Diskussionen führen leider zu keinem Ergebnis, woraufhin wir alle gemeinsam selbst versuchen, die fremden Jugendlichen ruhig zu stellen. Wenigstens etwas Erfolg haben wir dabei. Dann heißt es nur noch schlafen, schlafen, schlafen, egal wie, nur schlafen! Schließlich geht in gut fünf Stunden schon wieder das Licht an.

 

jh

 

 

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