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Wie es ist...

...auf dem Gipfel eines schwedischen Müllbergs zum Helden zu werden.

Wie es ist...

Im Jahrhundertsommer 2003 waren wir mit unserer Jugendfeuerwehr für zehn Tage bei einer schwedischen Jugendfeuerwehr zu Gast. An einem endlos heißen Nachmittag, den wir viel lieber am Strand verbracht hätten, bereiteten wir auf dem einsamen, staubigen Gelände einer Kompostieranlage eine Löschübung vor - mit riesigem Feuer, wie wir es in Deutschland niemals machen dürften. Unser Gruppenleiter hatte die Schweden noch etwas hektisch darauf hingewiesen, ob es so gut wäre, das Feuer anzuzünden. In Windrichtung befand sich nämlich ein gigantischer Berg trockener Kompostabfälle: 30 Meter lang und bestimmt acht Meter hoch. Doch die Schweden winkten ab. Wir sollten uns nicht so anstellen.

 

So loderte das Übungsfeuer bald wild in den Himmel. Alle starrten gebannt in der sengenden Hitze auf die meterhohen Flammen, lauschten dem Prasseln und träumten vom kühlen Meer. Nur ich drehte mich in Richtung Müllhalde um und erschrak. An fünf oder sechs Stellen qualmte sie bereits. Funken hatten offenbar ihren Weg hinüber gefunden. Während ich zu dem Berg rannte, brüllte ich nach den anderen. Ich war natürlich als erster oben, während sich unsere Betreuer hinter mir den Weg durch das Gestrüpp aufwärts bahnten - ein gar nicht so leichtes Unterfangen auf dem leicht nachgebenden Gemisch aus Kompost und Ästen. Den anderen hatten sie befohlen, bloß unten zu bleiben. Es schien ja auch nicht ungefährlich dort oben.

 

So erstickten wir die aufkeimenden Flammen, während die Schweden unten hastig das Übungsfeuer löschten. Die anderen beobachteten uns geschockt und mit offenen Mündern aus der Froschperspektive. Der Schweiß floss uns über die Gesichter. Doch wir hatten Glück. Die Glut- und Flammennester waren schnell besiegt. Die Halde war so riesig, dass man bei einem Vollbrand den Rauch wahrscheinlich bis zu uns nach Hause gesehen hätte. Na gut, ganz so weit wäre er wahrscheinlich doch nicht sichtbar gewesen. Aber wir wären als zündelnde Feuerwehr mit Sicherheit ins schwedische Fernsehen gekommen - was für eine Peinlichkeit! Doch so wurde ich dank meiner Beobachtung von einem Moment auf den anderen dort hoch oben auf diesem Berg der Held dieses heißen Sommertages.

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